Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Gerechte Kriege
Krieg und Land als ethische Kategorien

Aleksej Levinson

Abstract

Das Urteil von Rußlands öffentlicher Meinung lautet: Der Große Vaterländische Krieg war ein gerechtfertigter Krieg. Alle anderen Kriege des vergangenen Jahrhunderts, darunter auch die in Afghanistan und in Tschetschenien, gelten als nicht gerechtfertigt. Darin kommt nicht nur die a priori höhere Legitimität des Verteidigungskrieges zum Ausdruck, sondern auch, daß die Bevölkerung in Rußland Kriege ungewöhnlich stark von der Position der Territorialität aus beurteilt. Hierbei handelt es sichum eine imperiale Denktradition. Raum ist die wichtigste Ressource eines Imperiums. Krieg gilt dann als gerechtfertigt, wenn er um Raum geführt wird und die „Anhäufung von Land“ fortsetzt.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 387–393)