Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Deutscher auf Abruf
Vom Schwarzbuch zur Jungen Garde

Michail Ryklin

Abstract

Von 1944–1947 entstand unter der Ägide der KPdSU das Schwarzbuch über den Völkermord an den Juden. Ziel sollte es sein, die deutschen Verbrechen auf sowjetischem und angrenzendem Territorium zu dokumentieren. Doch im Spätstalinismus galt diese Dokumentation plötzlich als ideologisch schädlich. Sie wurde nicht mehr veröffentlicht, die Vernichtungvon Millionen Juden in der UdSSR in der Folge verschwiegen. Fast gleichzeitig verfaßte Aleksandr Fadeev Die Junge Garde. Dieses Buch mit halbdokumentarischem Anspruch handelt vom Kampf der Komsomolzen gegen die deutsche Besatzung. Das Bild der Deutschen in beiden Werken ist aufschlußreich in der Interaktion mit denen, gegen die sie kämpften, die sie vernichteten und die ihnen Widerstand leisteten. Es handelt sich umzwei konkurrierende Projekte, von denen in der totalitären Gesellschaft eines kanonisiert und das andere tabuisiert wurde.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 165–177)