Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Deutsche Vergangenheitsbewältigungsrituale
Die Rückkehr der toten Juden und das Verschwinden der lebenden Juden: Ein analytisch-polemischer Versuch

Richard Chaim Schneider

Abstract

Der Holocaust ist omnipräsent im deutschen politischen Alltag, solangedas Erinnern nichts kostet außer Geld für prestigeträchtige Mahnmale. Gilt es aber, Mut zu zeigen und gegen die Verwandlung der Juden in Statisten leerer Gedenkrituale oder gar gegen die neue politische Verwertbarkeit antisemitisch gefärbter Parolen Einspruch zu erheben, versiegen die salbungsvollen Worte. Schlimmer noch: Je mehr sich die Deutschen wieder als Opfer des Zweiten Weltkriegs sehen, desto mehrgeraten die real existierenden Juden in Deutschland zu Stören frieden, die durch ihre bloße Anwesenheit den Deutschen die Deutungshoheit über die Jahre 1939–1945 streitig machen.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 178–185)