Titelbild Osteuropa 4-6/2005

Aus Osteuropa 4-6/2005

Aufarbeitung der Vergangenheit?
Der Große Vaterländische Krieg in der Historiographie der UdSSR und Rußlands

Joachim Hösler

Abstract

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges in der UdSSR und seit 1991 in Rußland vollzog sichin fünf Phasen: Bis 1953 bestimmte Stalin, was zu sagen und zu schreibenwar. Unter Chruščev blieb unentschieden, ob die Forschung den Anregungen seiner Parteitagsrede vom Februar 1956 oder dem apologetischen ZK-Beschluß vom Juni 1956 wird folgen müssen. Von der Mitteder 1960er bis zur Mitte der 1980er Jahre dominierte Schönfärberei, diedem Nachweis der „Überlegenheit des Sozialismus“ diente und eingebettet wurde in eine Siegesikonographie, die den Mythos des „Heiligen Krieges“ pflegte. In der Perestrojka war der Krieg das erste, aufwühlendste und schwierigste Thema. Seit 1991 ist es das einzige der sowjetischen Geschichte, das – positiv besetzt – integraler Bestandteil des affirmativen Geschichtsbildes geblieben ist.

(Osteuropa 4-6/2005, S. 115–126)