Titelbild Osteuropa 12/2005

Aus Osteuropa 12/2005

„Objektiv, aber nicht neutral“
Zur Entwicklung der Ostforschung nach 1945

Corinna R. Unger

Abstract

Ihrer nationalsozialistischen Belastung zum Trotz gelang es der Ostforschung nach 1945, sich in der Bundesrepublik wieder als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. Dies verdankte sie der Flexibilität ihrer Vertreter, die sich und ihre Forschung den neuen politischen Bedingungen anzupassen verstanden: Zum einen betonten sie den politischen Nutzen ihrer Arbeit für die Auseinandersetzung um die Oder-Neiße-Grenze und die Vertriebenenproblematik; zum anderen kam ihnen der Kalte Krieg gelegen, um die individuelle Belastung sowie die deutsche Verantwortung für die Verbrechen in Ost- und Ostmitteleuropa zugunsten der Beschäftigung mit der drohenden sowjetischen Expansion zu verdrängen. Erst im Laufe der 1960er Jahre legte das Fach seine bis dahin dominante deutschtumszentrierte, vielfach antikommunistische Ausrichtung ab.

(Osteuropa 12/2005, S. 113–132)