Titelbild Osteuropa 10/2005

Aus Osteuropa 10/2005

Ambivalenzen personalisierter Politik
Das Beispiel Polen

Gerd Meyer

Abstract

Die Personalisierung von Politik ist in vielen modernen Demokratien zu beobachten. Demokratische Qualität und Wirkungen dieses Trends sind ambivalent. Personalisierung von Politik bezieht sich auf das Verhalten der politischen Eliten, die Darstellung politischer Sachverhalte in den Medien, die Wahrnehmung von Politik durch die Bürger und auf klientelistische Politik. Dafür bietet die polnische Politik seit der ausgehandelten Revolution von 1989 aufschlußreiche Beispiele. Führungsstil und Konfliktaustrag waren zunächst unter Lech Wałęsa, aber auch noch unter Aleksander Kwaśniewski hoch polarisiert und personalisiert. Dies gilt auch für Struktur und Wettbewerb der Parteien, für Wahlkämpfe und Wählerverhalten. Auf der anderen Seite konnte Präsident Kwaśniewski die herausgehobene Stellung seines Amtes und seiner Person dazu nutzen, auseinanderstrebende Kräfte zu integrieren und mehr Stabilität in die polnische Politik zu bringen.

(Osteuropa 10/2005, S. 47–58)