Titelbild Osteuropa 9-10/2003

Aus Osteuropa 9-10/2003

Christentum als Wertebasis Europas?
Zur Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche

Sergej Filatov

Abstract

Nach der Christianisierung der Rus’ stand die Orthodoxie in engem Kontakt mit dem lateinischen Christentum. Mit der Verschmelzung von Staat und Kirche im 15. und 16. Jahrhundert entwickelte sie sich jedoch zunehmend zur ideologischen Stütze einer Westeuropa fremden Staatsauffassung und anti-westlichen Politik. In der Sowjetunion lebte diese Tradition in den späten 1930er Jahren wieder auf. Bis heute ist die Russisch-Orthodoxe Kirche ein Hort der Feindschaft gegenüber westlichem Denken aller Art – einschließlich dem konservativen katholischen. Exemplarisch kommt dies an der im Jahre 2000 verabschiedeten Sozialdoktrin zum Ausdruck. Erst wenn auch die Russisch-Orthodoxe Kirche anerkennt, daß sie Teil der europäischen Zivilisation ist, wird Rußland ein Teil Europas sein.

(Osteuropa 9-10/2003, S. 1478–1491)